Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen

Bayerns Klinikdirektoren und ver.di schlagen Alarm

Mehr Krankenhauspersonal

Bayerns Klinikdirektoren und ver.di schlagen Alarm

Öffentliche Daseinsvorsorge sichern und Personalmangel begegnen

 

Der Verband der bayerischen Krankenhausdirektoren und die Gewerkschaft ver.di haben Ministerpräsident Horst Seehofer, Gesundheitsministerin Melanie Huml und die SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen und ihren Generalsekretär Uli Grötsch angeschrieben. Ein ungewöhnlicher Vorgang, da Arbeitgebervertreter und Gewerkschafter naturgemäß unterschiedliche Interessen vertreten und auch in verschiedenen Fragen der Gesundheitspolitik unterschiedlicher Meinung sind. Gemeinsam appellieren sie an die Verantwortlichen im Land, ihren Einfluss auf die Bundes- und Landespolitik geltend zu machen, um eine wohnortnahe und hochwertige Krankenhausversorgung in Bayern zu erhalten und dem Personalmangel zu begegnen.

Gemeinsam stellen Josef Götz, Vorsitzender der bayerischen Landesgruppe des Verbandes der Krankenhausdirektoren, als auch Robert Hinke, Landesfachbereichsleiter für Gesundheit und Soziales bei ver.di Bayern, fest, dass die Krankenhäuser chronisch unterfinanziert seien und der Personalmangel in den Kliniken bereits zu Einschränkungen der Versorgungskapazitäten und ganzer Leistungsbereiche führe. Josef Götz unterstrich dies mit genaueren Zahlen für Bayern: „Im Jahr 2016 schrieben 42% der bayerischen Krankenhäuser ein Defizit. Dieser Prozentsatz wird sich 2017 noch weiter verschlechtern und ohne Kurskorrekturen gerade in ländlichen Regionen mittelfristig zu spürbaren Versorgungsengpässen führen.“ Robert Hinke betonte den Personalmangel, der seit Jahren zur dauerhafter Überlastung des Klinikpersonals führe: „Leistungsmenge und Leistungsintensität übersteigen die Grenzen des Tolerablen, Krankenstände und Überstunden erreichen vielfach Rekordniveaus, die Flucht in Teilzeit und andere Berufe ist gang und gäbe. Die sich verschärfenden Arbeitsbedingungen gefährden Personal und Patienten gleichermaßen.“ Unter den bestehenden finanziellen und personellen Bedingungen sei eine flächendeckende qualitativ hochwertige Versorgung auch in Bayern kaum mehr zu gewährleisten.

In verschiedenen Krankenhäusern Bayerns finden zwischen ver.di und Arbeitgebern konstruktive Gespräche statt, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Ohne Unterstützung der großen Politik seien der Problembewältigung vor Ort aber erkennbare Grenzen gesetzt, so Götz im Namen der Klinikdirektoren. Von der CSU und der SPD erwarten die Klinikdirektoren und die Gewerkschaft ver.di, ihren Einfluss auf die Koalitionsverhandlungen geltend zu machen, um eine sachgerechte Finanzierung der Krankenhausversorgung und ausreichend Personal in den Einrichtungen sicherzustellen. Jenseits der Bundespolitik sehen die Unterzeichner aber auch die Landespolitik in der Verantwortung. Neben einer nachhaltigen Aufstockung der Investitionsförderung seien ein Sofortprogramm als auch mittel- und langfristige Maßnahmen zu ergreifen, welche insbesondere der Be- und Überlastung der Pflege abhelfen und eine fachlich kompetente und menschliche Versorgung für die Zukunft sichern.

Weitere Informationen:

Die Landesgruppe des Verbandes der Krankenhausdirektoren vertritt 330 Leiter bayerischer Kliniken. Das Schreiben wird darüber hinaus von der Klinik-Kompetenz-Bayern eG (Zusammenschluss von 62 bayerischen Kliniken) und der Gesundheit Oberbayern eV (Zusammenschluss von 21 oberbayerischen Krankenhäusern) unterstützt.

Der für Krankenhäuser zuständige Fachbereich 3 der Gewerkschaft ver.di repräsentiert allein in Bayern über 43.800 Mitglieder.

Kontakt:

Josef Götz, Landesvorsitzender, VKD Bayern
0961/3032001
josef.goetz@kliniken-nordoberpfalz.ag

Robert Hinke, Landesfachbereichsleiter, FB Gesundheit und Soziales, ver.di Bayern
0171/6809933
robert.hinke@verdi.de