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Arbeit, Muße und disponible Zeit

Vortrag
27.11.2017, 19:00Gewerkschaftshaus, Willi-Bleicher-Str. 20, 70174 Stuttgart

Arbeit, Muße und disponible Zeit

Die implizite Bildungstheorie von Karl Marx und deren Aktualität
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Vortrag und Diskussion
Arbeit, Muße und disponible Zeit
Die implizite Bildungstheorie von Karl Marx und deren Aktualität
Montag, 27. November 2017, 19:00 Uhr
Gewerkschaftshaus Stuttgart, Raum 3
Willi-Bleicher-Str. 20, 70174 Stuttgart

Referent: Claus Baumann, er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Stuttgart. Er promovierte 2009 in Philosophie zur Formbestimmung von Arbeit. Seine Forschungsschwerpunkte sind Gesellschaftstheorie und Philosophie der Ästhetik.
Eintritt frei. Anmeldung nicht erforderlich.

Jahrhunderte lang war Arbeit mit Mühe und Strafe konnotiert gewesen, während gegenwärtig diejenigen als privilegiert erscheinen, die überhaupt noch einer Arbeit nachgehen können. Doch dem Mangel an angemessen vergüteter Erwerbsarbeit zum Trotz scheint Arbeit zugleich in nahezu alle Poren des gesellschaftlichen und individuellen Lebens vorzudringen. Selbstoptimierung lautet das neoliberale Credo: an sich selbst arbeiten, aber auch die Beziehungsarbeit nicht vernachlässigen.
Gegenüber solchen Imperativen des gegenwärtigen Neoliberalismus mit seiner Fokussierung auf Arbeit erinnert der Referent in seinem Vortrag an die implizite Bildungstheorie von Karl Marx. Deren Zentrum bildet die Emanzipation des gesellschaftlichen Individuums. Die grundlegende Ressource, die eine solche Emanzipation ermöglicht, ist Marx zufolge die in der gesellschaftlichen Produktion freigesetzte Zeit, die den Individuen für Muße, Kreativität und freie Selbstentwicklung zur Verfügung gestellt werden müsse. Marx nennt einen solchen Zeitfonds disponible Zeit. Nur sie biete den Raum für eine emanzipatorische, freie wie allseitige Bildung der gesellschaftlichen Individuen. Allerdings ist dieser Zeitfonds zugleich eine gesellschaftlich umkämpfte Ressource, da er für die kapitalistische Verwertung ebenfalls von allergrößtem Interesse ist.
Für die gemeinsame Diskussion stellt sich darum die Frage, wie eine Befreiung dieser Ressource aus dem Zwang der kapitalistischen Verwertung bewerkstelligt werden könnte, um einer emanzipatorischen Fähigkeits- und Genussentwicklung der Individuen zu Gute zu kommen.