ver.di-Jugend

Auf zum Antikapitalistischen Block!

1. Mai

Auf zum Antikapitalistischen Block!

Kapitalismus überwinden – die solidarische Gesellschaft im Blick
Plakat ver.di 1. Mai 2017: ver.di Jugend: Aufruf zum antikapitalistischen Block

 

Einmal tief durchatmen, Augen zu und durch. Die täglichen Nachrichtenmeldungen aus aller Welt, sind keine leicht verdauliche Kost. Kriege, Armut, wirtschaftliche Flauten und gegeneinander aufgehezte Menschen füllen Onlineportale und Zeitungsseiten.

Es fällt wirklich schwer, nach solchen Inputs mit einem optimistischen Blick in die Zukunft zu schauen. Zu allem Überfluss sind da noch genügend eigene Baustellen: Miete zahlen, Stress auf der Arbeit, in der Uni oder auf der Schule bewältigen, den sozialen Anschluss nicht verlieren ... Wo kann man ansetzen, um diese Flut an Problemen zu bewältigen? Und vor allem: Wer soll das alles in die Hand nehmen?

Zwei einfacher, aber folgenreiche Antworten...

Wo ansetzen?

Es gilt dort anzusetzen, wo der Groß- teil der Konflikte seine Wurzeln hat – am Kapitalismus, der weltweit vorherrschenden Gesellschaftsordnung, in der der Großteil der Weltbevölkerung keinen Einfluss auf die Gestaltung der eigenen Lebensbedingungen hat. Ob Bäuerin in Kolumbien, oder Krankenpfleger in Deutschland – alle sollen sich vereinzelt als Rädchen im Getriebe zurechtfinden, während es nur eine Minderheit ist, die unter ständigen Konkurrenzdruck Profiten und Einflussgebieten hinterherrennt.

Wer das verändern soll?

Wir! Seit über 120 Jahren gehen Millionen Menschen weltweit am 1. Mai auf die Straße, um zu zeigen, dass es Alternativen zu einem Gesellschaftssystem der weltweiten Ausbeutung und staatlichen Unterdrückung, der sozialen Spaltung und Konkurrenzmentalität geben kann. Wenn sich diejenigen zusammenschließen, die gemeinsam aus diesem verrückten Hamsterrad ausbrechen und sich nicht weiter für fremde Interessen einspannen und ausbeuten lassen wollen, kann vieles bewegt werden.

Solidarität schaffen

Wenn wir uns auch heute wieder einmischen wollen, um die Gesellschaft zum Besseren zu verändern, heißt das zuerst einmal: Stellung beziehen, nicht abstumpfen und Solidarität in den Vordergrund stellen! Trump pöbelt sich mit nationalistischem Machtgehabe, frauenfeindlich und rassistisch an die Spitze der US-Amerikanischen Politik, während Erdogan große Teile der Bevölkerung unterdrückt und bekämpft, um auch die letzten demokratischen Rechte dort Schritt für Schritt auszuhebeln. Millionen von Menschen in Syrien und in Afghanistan sind tagtäglich von Kriegen betroffen, die ihnen ihr Zuhause und jegliche Zukunftsperspektiven rauben. Und hier, direkt vor unserer Haustüre, wurden im vergangenen Jahr über 3500 Angriffe auf geflüchtete Menschen und ihre Unterkünfte gezählt, während zeitgleich über besonders harte Gesetze für Geflüchtete beraten und deren Internierung im Norden Afrikas unterstützt wird. Klar können wir all diese Missstände, von denen es noch etliche mehr gibt, nicht mal eben beenden. Wir können aber die Stimme erheben und in Solidarität zusammen mit den Betroffenen deutlich machen, dass eine wirkliche Veränderung der Lage nur gemeinsam möglich ist.

Bundestagswahlen: Rechte Hetze ist keine Alternative, Solidarität schon

Auch wenn die Wahlen im September keine grundsätzlichen Veränderungen mit sich bringen werden, ist es wichtig, dass wir uns gerade im Wahlkampf aktiv einmischen. Nicht auf Seite dieser oder jener Partei, sondern vor allem gegen die rechten Parolen, insbesondere aus den Reihen der sogenannten „Alternative für Deutschland“. Ihre rassistische Hetze ist gefährlich und spaltet uns Lohnabhängige, obwohl wir viele Interessen teilen und eigentlich solidarisch zusammenleben könnten.

Die rechten Vorstellungen von Familie und Geschlechterrollen, sollen die Frau wieder zurück in die Küche treiben und die Rechte von Homo-, Trans- und Intersexuellen weiter einschränken. Auch wenn die Rechten sich den Unmut, den viele Menschen zurecht gegenüber der aktuellen Politik haben, zunutze machen, sind sie es, die die Lage nur noch verschlimmern. Die AfD ist eine Partei, die den Unternehmen noch mehr Spielräume eröffnen will, während die staatlichen Sicherungen weiter ausgehöhlt werden sollen. Das ist alles andere als neu und schon gar keine Alternative.

 

Wer, wenn nicht wir

Wenn von Politik die Rede ist, denken viele an wichtigtuende Männer und Frauen deren Leben mit der Realität der meisten Menschen nichts zu tun hat. Die Bundestagswahl im September diesen Jahres wird diesen Eindruck einmal mehr verstärken. Große Namen, die behaupten die großen Probleme lösen zu können. Für uns ist Politik aber etwas ganz anderes: gemeinsame Interessen erkennen, uns zusammenschließen und schon im Kleinen Veränderungen erkämpfen: Im Betrieb haben wir Rechte und Interessen, die nur dann greifbar werden, wenn wir sie trotz anderer Vorstellungen der Chefs und ihrer Verwaltungen auf die Tagesordnung setzen und Druck ausüben. Organisieren, Streiken, Widersetzen - unsere Arbeitskraft schafft ihre Profite. Es liegt an uns, wie wir dieses Machtmittel nutzen, um uns durchzusetzen! Wir fangen nicht bei Null an: Es gibt heute schon kämpfende KollegInnen, mit denen wir gemeinsam Sand ins Getriebe streuen können.

Auch außerhalb des Betriebs gibt es keinen Grund, sich mit den Entscheidungen der „großen Politik“ abzufinden, oder auf Veränderung zu hoffen. Das Gesundheitssystem, das mehr und mehr in die Hände von Pharmakonzernen wandert, zusammengekürzte Renten, ein Bildungssystem, das erwiesenermaßen ärmere Menschen benachteiligt – es ist nicht das Kreuzchen auf dem Wahlzettel, das diese Zustände verändert, es ist unser gemeinsames Handeln.

Eine andere Welt ist möglich

Wir machen uns nichts vor: In diesem Gesellschaftssystem werden wir, so sehr wir uns auch bemühen, kein Leben führen können, in dem wir unsere Arbeit selbstbestimmt und aus freien Stücken gemeinsam organisieren, in dem der gesellschaftlich geschaffene Reichtum auch wieder allen Menschen zugute kommt. Aber: All die Kämpfe, die wir schon heute führen, die gemeinsamen Streiks, Proteste, Demonstrationen und andere Formen des Widerstandes können uns Stück für Stück einer starken Bewegung näher bringen, die für eine grundlegend neue Ordnung eintreten kann. Die Perspektive ist eine Gesellschaft, in der die Menschen in wirklich demokratischer Form und auf Vernunft und Solidarität basierend, ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen: Wie wird produziert, wie verteilt und geplant? Wie kann ein solidarisches Zusammenleben auf Augenhöhe aussehen? Welche technischen und wissenschaftlichen Entwicklungen brauchen wir? Diese Fragen sollen nicht aufgrund des damit verbundende Profits, oder des Machteinflusses beantwortet werden, sondern anhand der unmittelbaren Interessen der Menschen.

Auf der gewerkschaftlichen Demo zum 1. Mai in Stuttgart wollen wir solidarisch mit allen KollegInnen mit einem antikapitalistischen Block zeigen, dass wir in den Startlöchern stehen, um eine neue Welt möglich zu machen! Der 1. Mai ist unser Tag!

 

Weitere Infos auf unserer Facebook-Seite »