Bezirk Stuttgart

Ortsvereine organisierten REISE IN DIE VERGANGENHEIT

Bericht

Ortsvereine organisierten REISE IN DIE VERGANGENHEIT

Beitrag von Steffen Eckstein, Sprecher der Ortsvereine ver.di-Bezirk Stuttgart
Reise in die Vergangenheit 2022 ver.di Reise in die Vergangenheit 2022

 

„Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit.
Aber ihr macht Euch schuldig,
wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt.
Ihr müsst alles wissen, was damals geschah
und warum es damals geschah.“

Mahnende Worte von ESTHER BEJARANO (1924 – 2021)

 

Die mahnenden Worte von Esther Bejarano sehen die 4 Ortsvereine des ver.di Bezirks Stuttgart als Verpflichtung an, diese Reise in die Vergangenheit anzutreten. Vorausgegangen waren in den einzelnen Ortsvereinen Veranstaltungen, die sich jeweils mit der örtlichen Vergangenheit auseinandergesetzt haben.

Stuttgart, 23. Juli 2022, kurz vor 7 Uhr morgens macht sich unsere Reisegruppe mit Reiseleiter Cuno Brune-Hägele auf den Weg ins benachbarte Elsass. Der Tag wird informativ, lehrreich, nachdenklich aber auch anstrengend werden. Wir erreichen zuerst den Ort Schirmeck, eingebettet in die grünen Hügelketten der Vogesen. In erhöhter Lage am Hang in Sichtweite zum KZ Natzweiler-Struthof steht ein beieindruckendes Museum, das Memorial Alsace Moselle.

Hier wird in eindrucksvoller Weise die Geschichte der Elsässer und Moselaner beginnend ab dem Jahr 1871 dargestellt. Bis 1945 haben die Bewohner des Elsass und des angrenzenden Departement Moselle in schicksalhaften Jahrzehnten allein 4-mal die Staatsangehörigkeit gewechselt. Düster und dennoch eindrucksvoll vermittelt die Ausstellung ausführlich die Jahre 1939 bis 1945, mit zahlreichen Installationen, Dokumenten, Filmen, Zeitberichten.

Mit einem Zeitsprung in die Anfänge der Europäischen Union kehrt man zurück in die Gegenwart und ist dennoch nachdenklich gestimmt über die überwältigenden Installationen innerhalb des Memorial Alsace Moselle. Die Gedenkstätte veranschaulicht, dass der „Wille eines dauerhaften Friedens in Europa“ und nicht nur in Europa unverzichtbar ist. Mit freiem Blick auf das weithin sichtbare Mahnmal des KZ Natzweiler-Struthof verlassen wir Schirmeck in Richtung der KZ Gedenkstätte. Am Nordhang angekommen eröffnet sich ein Blick auf die steil am Hang, auf ca. 700 Metern Höhe, angelegte Anlage des KZ Natzweiler-Struthof.


Eröffnet am 1.Mai 1941 vergrößerte man das Hauptlager ab dem Winter 1942/43 um eine ungeheure Zahl von ca. 50 Außenlagern links und rechts des Rheins. Besonders viele Außenlager gab es entlang des Neckartales. Als sogenanntes Straf- und Arbeitslager zum Abbau von hier entdecktem roten Granit angelegt, wurden hier vorwiegend politische Gefangene eingesperrt und hingerichtet.

Allein rund 52.000 Häftlinge aus über 30 Nationen durchliefen bis Ende 1944 das Hauptlager und/oder die Außenlager. Davon starben rund 22.000 Häftlinge an Entkräftung, Mangelernährung, Kälte, Krankheiten oder wurden nachweislich ermordet. Die Zahl, der bis Kriegsende inhaftierten Häftlinge ist dabei noch nicht eingerechnet. Anfangs ausgelegt für 4000 Gefangene, waren es an Kriegende fast 7000 Gefangene. Das Hauptlager war Ort abscheulicher Morde und Hinrichtungen. Besonders bekannt wurde der Mord an 86 jüdischen Gefangenen, die in der kleinen Gaskammer umgebracht wurden.

August Hirt, damaliger Direktor des anatomischen Institutes der Reichsuniversität Straßburg und gleichzeitig Lagerarzt im KZ, wollte damit auf perfide Art und Weise die „Minderwertigkeit von Juden und Jüdinnen“ im Rahmen seiner NS-Rassentheorie beweisen. Das KZ Natzweiler-Struthof war bis zur Räumung Ende 1944 ein Lager, indem viele Widerstandskämpfer hingerichtet wurden – der Gruppen „Réseau Alliance“, „Groupe Mobile d´Alsace-Vosges“, sowie 4 Frauen des britischen Geheimdienstes der „Special Operations Executive“ - um einige zu nennen. „Das europäische Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers als Verbindung zur Geschichte“ beleuchtet auf interaktive Weise den Aufstieg der Nationalsozialisten und die Gegenwehr der Widerstandskämpfer. Unser Reiseleiter und zugleich Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Stuttgart erläuterte an vielen Stationen innerhalb des Lagers an die Gräueltaten und Grausamkeiten des Nationalsozialismus und derer, die sie hier vor Ort ausführten. Dafür gilt nochmals unser Herzlicher Dank für die sehr tiefgründigen Erklärungen!

Nach einem geschichtsträchtigen Tag kamen wir am Abend wieder in der Gegenwart in Stuttgart an. Geprägt von dem Gesehenen und von den Vorträgen sind sich sowohl die Mitreisenden als auch die Ortsvereine des ver.di-Bezirks einig:

Nie wieder dürfen sich solche Gräueltaten wiederholen, sich Antisemitismus und Rassismus in unserer Gesellschaft breitmachen!

Aus der Geschichte lernen – heißt für die Gegenwart lernen!

Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus!

Reise in die Vergangenheit 2022 ver.di Reise in die Vergangenheit 2022